Aus dem Heimatbuch Kirchen 1980 (Bericht von Siegfried Mall)

An einem kalten Wintertag wurde in dem armen Bauernhaus der Familie Osswald in Schlechtenfeld ein Junge geboren, der auf den Namen Matthias Oswald getauft wurde. Das Osswaldsche Anwesen befand sich hinter der Dorfkapelle. Es wurde später abgebrochen.

Die Tragik im Leben des Schleifer-Theis hängt eng mit der Entscheidung seines Vaters zusammen, den Hof nicht ihm, dem ältesten Sohn, sondern der jüngeren Schwester und dem Schwiegersohn zu übertragen. Es kam zu folgenschweren Auseinandersetzungen zwischen Matthias und seinem Schwager, die zuletzt handgreiflich wurden und mit dem tödlichen Sturz des Schwagers in der Tenne endeten. Jetzt verließ Matthias das Dorf, zog sich in das Geißholz nahe dem Kohlenberg zurück.

Matthias entwickelte sich immer mehr zu einem Sonderling, war voller Mißtrauen und mied, so gut es ging, die Nähe der Menschen. Das Scheitern in der festgefügten sozialen Ordnung des Dorfes bedeutete früher häufig ein Ausgestoßensein für immer. Matthias führte nun in seiner einsamen Steinhütte, die er lediglich mit aufeinander geschichteten Steinen erbaute, das Leben eines kauzigen und verbitterten Einzelgängers. Er hatte kaum das Nötigste zum Leben. Seine kärgliche Existenz sicherte er sich durch seine Sammeltätigkeit. Mit einem zweirädrigen Holzkarren zog er durch die Dörfer der Umgebung und sammelte alles, was zu bekommen war. Den oft schwer beladenen Karren führte er an einer Leitdeichsel, und der Zugriemen schnitt sich tief in seine gebeugte Schulter ein. Wie alte Kirchener noch zu erzählen wissen, ging Matthias meist barfuß, führte in der Hand einen aus Waldholz geschnitzten, speerartig zugespitzten Stock und trieb sich an steilen Weg strecken mit Peitschenschlägen selbst an. Sein Bart soll fast das ganze Gesicht bedeckt haben.

 

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